GRAECULI AUF REISEN

 

Es war endlich wieder so weit. In den Osterferien fuhren Herr Miedel und 8 Kollegiaten, die ihre intensive Vorbereitung für ihr bevorstehendes Abitur gerne unterbrachen um eine Exkursion nach München zu unternehmen.

Um 13 Uhr traf man sich pünktlich zur Abfahrt vor dem Torbogen unseres Gymnasiums. Herr Dr. Buchmüller war so freundlich und stellte uns einen Minibus für die Fahrt zur Verfügung.

Max Buchmüller chauffierte uns souverän über die regennasse Autobahn unserem Ziel entgegen. Unser erstes Ziel war der Königsplatz.

Ludwig I. von Bayern beauftragte den Architekten  Leo von Klenze zur  Planung dieses Schmuckstückes Münchner Gebäudekomplexe.

Die Schüler konnten mit ihren archäologischen Kenntnissen schnell die Art der verschiedenen Säulenkapitelle bestimmen.

 

Der erste Besuch galt der Antikensammlung, die zur Zeit durch eine Sonderausstellung

„Mythos Troja“ bereichert wird. Leider ist das hölzerne Pferd an eine ähnliche Ausstellung  in Basel z.Z. ausgeliehen.Die aussergewöhnlicheVasensammlung erinnerte die Schüler an viele Teilaspekte ihres Leistungskurses.

Im Anschluss besuchte die Gruppe die Glyptothek, wo der Giebel des Apollotempels von Ägina den Mittelpunkt bildete. Herr Miedel informierte über die Polychromie-Forschung und die Besonderheiten der archaischen Kuroi.

Nach einem Bummel durch das Herz Münchens und einem gemeinsamen Abendessen im „Schneider Weißbierhaus“ begann dann um 20 Uhr die Aufführung der Tragödie „Medea“ des Euripides im Residenztheater.

„ Meine Leidenschaft ist größer als meine Vernunft“ (θυμὸς δὲ κρείσσων τῶν ἐμῶν βουλευμάτων).

Mit dieser Aussage Medeas über ihre Entscheidung aus Rache an ihrem treulosen Mann ihre eigenen Kinder zu töten, ist der Grundtenor der Tragödie zusammengefasst.

Medea, die Iason, den Argonauten, half, dann heiratete und mit ihm nach Korinth floh, wurde durch die ausdrucksstarke Schauspielerin Stephanie Leue verkörpert.

Die moderne Inszenierung mit einem Chor, der durch eine Frau dargestellt wird und einer ebenfalls weiblichen Darstellerin des Boten, überraschte hauptsächlich durch die Aktualität des Handlungsinhaltes. Stolz, Passion und Frevel zerstören eine Welt, in der das Weibliche sich gegen das allzu übermächtige Männliche wehrt. Peter von Matt schreibt in seinem Essay über die Aufführung , dass sich das antik-griechische Konzept, nach dem sich die Frau durch die Suche nach Ruhm , der „alles Leiden, alles Elend wettmacht“ , emanzipiert, in der neuzeitlich bürgerlichen Gesellschaft so nicht findet. Man mag aber auf die Folgen der Weiblichen Emanzipation hinweisen. Vielleicht ist der Beweggrund  einer Karrierefrau auch das Leid , welches sie in einer nicht erfüllten Partnerschaft zu dulden hatte.